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Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, 14.05.2003
Volkskrankheit Diabetes - auch ein Fall für den Zahnarzt!
Hans-Peter S. ist Diabetiker. Ungefähr acht Prozent aller Erwachsenen in Deutschland
haben Diabetes. Diabetes – im Volksmund auch „Zucker“ oder „Zuckerkrankheit“ genannt, ist eine Stoffwechselstörung.
Ihr Hauptkennzeichen ist ein anhaltend hoher Blutzuckerwert, der z.B. durch mangelnde Insulinproduktion entsteht.
Diabetes und Zähne
Ein Problem ist Hans-Peter S. bis vor kurzem nicht bewusst gewesen: Die Zuckerkrankheit wirkt sich auch negativ
auf die Zähne und das Zahnfleisch aus. Eine Zahnfleischentzündung, die auch er bisher für harmlos
hielt, brachte die Einstellung seiner Blutzuckerwerte durcheinander. Bei Diabetes verändern sich die Fließeigenschaften
des Blutes, auch das Zahnfleisch wird infolgedessen schlechter versorgt. Seine Zahnärztin hat Hans-Peter S.
erklärt, dass dadurch die Abwehrmechanismen auch gegen bakterielle Angriffe geschwächt werden. Keime
vermehren sich dann rasch und begünstigen parodontale Erkrankungen wie Gingivitis und Parodontitis. Auch geringer
Speichelfluss, der bei Diabetikern häufig auftritt, bewirkt, dass der Körper kleinste Schäden am
Zahnschmelz durch die im Speichel enthaltenen Mineralstoffe nicht mehr selbst reparieren kann. Aus kleinen Defekten
kann so leicht Karies entstehen. Diabetiker haben also auch ein erhöhtes Kariesrisiko – unabhängig davon,
ob sie eine umfassende und regelmäßige Mundhygiene betreiben.
Wie können Diabetiker ihre Zähne schützen?
Eine regelmäßige und umfassende Mundhygiene ist für Diabetiker genauso wichtig wie die gute Einstellung
der Blutzuckerwerte. Doch das erfordert auch viel Eigeninitiative und regelmäßige Besuche beim Zahnarzt
– mindestens zweimal im Jahr. Zahnpflegemittel wie Zahnseide, fluoridierte Zahncreme oder ein spezielles Fluoridgel
gehören zur Grundausrüstung.
Die Zahnärzte beraten ihre Patienten aber gerade auch im Blick auf die besonderen Bedürfnisse von Risikopatienten.
Steht z.B. ein zahn-chirurgischer Eingriff bevor, klärt der Zahnarzt, ob z.B. die Einnahme eines Antibiotikums
sinnvoll ist, um Wundinfektionen vorzubeugen. Werden neue Zahnfüllungen erforderlich, nach deren Einsetzen
man einige Stunden nicht essen darf, so muss der Termin z.B. dem Spritz-Ess-Plan des Patienten angepasst werden.
Individuelle Beratung und Behandlung bleiben Trumpf
Viele Menschen gehen heute immer noch davon aus, dass sich ein Gesundheitssystem umfassend um alle Belange eines
Patienten kümmern könnte. Weit gefehlt! Die hitzige Reformdiskussion dieser Frage zeigt deutlich, dass
der gut informierte, aktive und eigenverantwortliche Patient in Zukunft eine besondere Rolle spielen wird. Das
wird umso wichtiger sein, als Patienten zu Recht erwarten, individuell betreut zu werden, anstatt in die Schablonen
von Checklistenmedizin und Chronikerprogrammen gepresst zu werden.
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